Belichtungsmessung verstehen und korrekt belichten

Um ein korrekt belichtetes Fotos aufzunehmen muss man verstehen wie die Kamera das auf den Sensor treffende Licht misst. In diesem Artikel gehe ich auf dieses Thema ein und erkläre dir wie bei Digitalkameras die Belichtungsmessung funktioniert. Hinterher wirst Du besser verstehen wieso deine Fotos falsch beichtet sind. Außerdem wirst Du danach in der Lage sein bessere Fotos aufzunehmen.

Lichtmessung Fotografie

Im Gegensatz zu analogen Kameras, wo das Licht auf dem Film eingebrannt wird, ist die Aufnahme mit einer digitalen Kamera lediglich eine Interpretation der Wirklichkeit. Das Licht trifft durch das Objektiv auf den Sensor und dieser interpretiert die Farben, Lichter und Kontraste. Es wird nichts eingebrannt und chemisch verändert, sondern komplett digital (in Einsen und Nullen) interpretiert und berechnet. Ein digitaler Sensor funktioniert anders als ein Film und deswegen muss unterschiedlich gemessen werden. Je nachdem ob mit Film oder einer Digitalkamera fotografiert wird.

In diesem Artikel geht es um die Belichtungsmessung mit digitalen Kameras. Die Filmfotografie werde ich hier außer Acht lassen, dass sie sehr speziell ist und man ohne eine externen Belichtungsmesser, besonders als Anfänger, aufgeschmissen ist. Ohne zusätzliche Kosten kommt man meistens nicht weit.

Bei der digitalen Fotografie ist das jedoch anders. Jede digitale Kamera hat bereits einen guten Belichtungsmesser eingebaut. Zwar muss man wissen wie die Kamera das Licht misst, doch wenn man die unterschiedlichen Methoden zur Belichtungsmessung verstanden hat, kommt man zu seinem gewollten Ergebnis, dem korrekt belichteten Foto.

Arten der Belichtungsmessung

Bei der digitalen Fotografie gibt es grundsätzlich drei Arten wie die integrierten Belichtungsmesser, das auf den Sensor eintreffende Licht interpretieren. Jede dieser Arten funktioniert heutzutage sehr genau. Allerdings funktionieren sie jeweils unterschiedlich und jede Messmethode ist deshalb für eine andere Aufnahmesituation (unterschiedliche Lichtverhältnisse) geeignet.

Wenn man also eine falsche Methode für die gegebenen Lichtverhältnisse misst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Foto falsch belichtet aufgenommen wird. Zu wissen wie alle drei Messmethoden funktionieren, ist deshalb essentiell für die Aufnahme von korrekt belichteten Fotos.

Ich möchte jedoch klarstellen, dass es keine schlechte oder falsch Methode gibt, sondern jede Messmethode seine Berechtigung hat und man sie lediglich an die herrschenden Lichtverhältnisse anpassen muss, da man sonst kein gutes Foto bekommt. Auch mit einer Nachbearbeitung in Lightroom oder Photoshop kann nämlich nicht jedes Foto gerettet werden. Deshalb musst du auch verstehen inwiefern sich die drei Methoden für die Belichtungsmessung unterscheiden. Nur so gelangst Du an ein perfekt belichtetes Foto.

Spotmessung

Die Spotmessung ist am wichtigsten zu verstehen, da ich damit die Grundlage für für die weiteren zwei Messmethoden erkläre. 

Bei der Sportmessung wird die Mitte des Fotos gemessen und aufgrund dessen als Grundlage für die Belichtung genommen. 

Bei der Belichtung eines Fotos versucht die Kamera immer den Mittelwert zwischen Weiß und Schwarz zu interpretieren. Stellt man sich also ein schwarz-weiß Foto vor, so versucht die Kamera immer den Wert von 50 % Grau als perfektes Ergebnis zu bewerten. 

Graukarte zum Verständnis der Belichtungsmessung

Schaue dir dafür als Beispiel folgende Fotos an. Auf dem folgenden DIN A4 Blatt habe ich drei Felder gedruckt. Das obere Feld ist einfach unbedruckt und dient uns als 100 % Weiß (Es ist nur ein seh gutes Beispiel um es anschaulich zu machen und keine einhundert Prozent Genauigkeit garantiert. Trotzdem funktioniert es). Das zweite Feld ist 50 % Grau und das dritte Feld ist 100 % Schwarz.

Messe ich nun auf dem weißen Feld, so sind die anderen beiden Felder schwarz. Das Foto ist unterbelichtet.
Messe ich auf dem 50 % grau Feld, so ist das Foto korrekt belichtet.
Messe ich auf dem 100 % Schwarzen Feld, sind die anderen beiden Felder überbelichtet.

Du kannst dir meine Datei gerne herunterladen und drucken, damit Du es selbst ausprobieren kannst. Hier ist die DIN A4 Datei als JPG.

Mit der Spotmessung kannst Du also die Mitte deines Fotos als Ausgangspunkt mit 50 % Grau belichten lassen. Doch wie wirkt ich das auf ein richtiges Szenario in der Fotografie aus?

Belichtung verstehen mit Kontrasten

Nehmen wir mal als Beispiel eine Situation mit einer Person im Gegenlicht (Das bin übrigens ich).

(Achtung: Es ist etwas zu dunkel, da ich die Belichtungskorrektur -1 habe. Dazu später mehr.)

Belichtet man auf den Himmel, so wird alles andere Unterbelichtet, da die Kamera versucht den, mit der Spotmessung gemessenen Bereich als 50 % Grau zu interpretieren, unterbelichtet.
Belichtet man jedoch auf das helle Gesicht, so wird es korrekt belichtet. Der Himmel ist überbelichtet und der dunkle Sweater ist unterbelichtet. 
Belichtet man auf den dunklen Sweater, so sind der Himmel sowie das Gesicht überbelichtet.

Du siehst also, dass man durch eine falsche Messmethode (oder auch das falsche Verständnis von der verwendeten Belichtungsmessung) an eine unzufriedenstellende Aufnahme kommt. 

Wie führe ich eine korrekte Belichtungsmessung durch?

Um eine korrekte Belichtungsmessung durchzuführen muss man wissen wie das Ergebnis aussehen soll. Meistens möchte man, dass das Subjekt korrekt belichtet ist. Kein weiterer Bereich in den Lichtern ausgebrannt trotzdem Zeichnung in den dunklen Bereichen ist.

Bei digitalen Kameras ist es wichtig zu wissen, dass ausgebrannte, helle Bereiche nicht mehr zu retten sind. Dunkle Bereiche sind jedoch in den Tiefen immer noch höher zu ziehen, sodass diese gerettet werden können.

Die Lösung ist also bewusst unterzubelichten, sodass die hellen Informationen noch vorhanden sind und man die Tiefen in der Nachbearbeitung höher ziehen kann. Das ist jedoch ein Extremfall und man sollte versuchen so genau wie möglich zu fotografieren, damit man weniger in der Nachbearbeitung tun muss.

Um also ein nahezu perfektes Foto aus der Kamera zu bekommen, sollte man auf das Licht und die Kleidung achten. Wichtig ist es harte Kontraste zu vermeiden und alles neutral zu halten, sodass eine gleichmäßige Belichtung (50 % Grau) zu einem gut belichteten Foto führt.

Wenn ich mir also über den Faktor „zu heller Himmel“ bewusst bin, dann kann ich entweder in den Schatten gehen (wo das Licht und der Hintergrund weniger hell sind) oder darauf warten, dass die Sonne langsam untergeht.

Außerdem kann ich den Faktor „Kleidung“ beeinflussen und anstatt eines dunklen Sweaters eine weniger Kontrastreiche Farbe (wie z.B. Grau oder eine Pastellfarbe) wählen. Auch dadurch werden Kontraste vermieden.

So entsteht ein Foto, dass in der Postproduktion viel weniger bearbeitet werden muss und direkt in der Kamera, bewusster und besser belichtet aufgenommen wird.

Du siehst also, dass die Sportmessung eine gute Methode für die Belichtungsmessung ist. Sofern man versteht wie sie funktioniert, lassen sich damit bewusst die gewollten Ergebnisse erzielen. Man muss nichts dem Zufall überlassen, da man weiß, dass Die Kamera den „Spot“ immer als 50 % Grau interpretieren wird.

Doch kommen wir nun zu den komplexeren Methoden der Belichtungsmessung, die zwar ebenfalls gut sind und Zeit sparen können (Weil man nicht nachdenken muss), aber dafür auch nicht immer so genau sind wie die Spotmessung.

Matrixmessung (Mehrfeldmessung)

Bei der Matrixmessung wird nicht nur ein Sport gemessen, sondern fast das ganze Bild, welches Du auch im Sucher keiner Kamera siehst. Die Matrixmessung hat viel mehr Spots die das Bild messen und versucht auf Grund dessen, auf den Mittelwert der Gesamten Szene belichten. Das kann den Vorteil haben, dass man ein, mehr oder weniger, korrekt belichtetes Foto bekommt, welches man in der Nachbearbeitung nur minimal anpassen muss.

Auch, wenn die Matrixmessung mittlerweile schon einige Jahre existiert und immer besser wird, kann es dennoch zu ungewollt schlechten Ergebnissen kommen. Die Kamera weiß eben nicht was dein Ziel ist. Solltest Du nämliche Silhouetten vor einem Sonnenuntergang fotografieren wollen, wist Du mit der Matrix-Messmethode garantiert versagen. Ohne manuelles Belichten, oder die Spotmessung wirst Du wohl kaum an dein gewünschtes Ergebnis kommen.

Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass die Matrixmessung ein guter Startpunk ist, wenn man mal schnell fotografieren möchte. Sofern man jedoch merkt, dass sie nicht so gut in den aktuellen Lichtverhältnissen funktioniert, sollte man wechseln.

Anzumerken gibt es ebenfalls, dass sich die Matrixmessung je nach Hersteller differenziert. Wir können niemals vorhersagen wie das Licht gemessen wird und je nach Kamera wird sich diese Messung anders verhalten. Da hilft nur viel Fotografieren und seine Kamera kennenlernen.

Bestenfalls macht man sich jedoch schon vorher Gedanken darüber was man wie und wo fotografieren möchte, damit man sich weniger um die Kameraeinstellungen Gedanken machen muss und sich mehr auf das Subjekt, oder andere Dinge konzentrieren kann.

Die Belichtung alleine macht ein Bild nämlich nicht gut, sondern ist nur die Basis für ein gelungenen Bild. Korrekt belichten steht nämlich an aller erster Stelle und liefert die Basis für gute Fotos.

Mittenbetonte Messung

Die Mittenbetonte Messung in ein Mittelding zwischen der Spotmessung und der Matrixmessung. Dabei kommen ebenfalls mehrere Messpunkte zum Einsatz, welche sich jedoch im Bereich um den Spot herum befinden. Es ist sozusagen eine größere Sportmessung, oder eine Matrixmessung im kleineren Bereich.

Die Mittenbetonte Messung kann also gut sein, muss sie aber nicht. Auch hier lässt sich, wie bei der Matrixmessung, nicht vorhersagen was genau passieren wird. Je nach Kamerahersteller unterschiedet sich diese Messmethode.

Richtig belichten

Da Du nun weißt wie die einzelnen Arten der Belichtungsmessung funktionieren, fragst Du dich sicherlich wie man richtig belichten kann. Eine Antwort darauf kann man pauschal zwar nicht geben, doch kann ich dir gerne meinen Ansatz dazu näher bringen.

Grundsätzlich belichte ich meistens mit der Sportmessung und mehr Gewicht auf den Punkt zu bringen, den ich auch fokussiert haben will. Außerdem sorge ich dafür, dass die Szene in der ich fotografiere wenig Kontraste hat. Hintergrund, Licht und Komposition behalte ich dabei zusätzlich im Auge.

Sofern ich die Gelegenheit zum Planen habe, arbeite ich so und überlasse möglichst wenig dem Zufall. Dann komme ich mit der Sportmessung sehr gut zurecht. Sollte ich jedoch merken, dass sie nicht zum gewünschten Ergebnis führt, dann fotografiere ich entweder mit der Matrixmessung oder stelle komplett auf den M-Modus meiner Kamera um. So behalte ich die totale Kontrolle über mein Ergebnis.

Belichtungskorrektur

Des weiteren belichte ich grundsätzlich immer unter, um mehr Informationen in den Höhen und Lichtern zu haben. Mit einer digitalen Kamera kann man die Tiefen meistens immer verlustfrei ein wenig hochziehen.

Das funktioniert wunderbar mit der Belichtungskorrektur. Das ist im Sucher diese kleine Anzeige von meist -4 bis +4. Ich habe sie tatsächlich immer auf -1 stehen, da der Sensor meiner Kamera locker 2 bis 3 Blendenstufen in der Nachbearbeitung hochziehen kann, wenn es um die Tiefen geht. So gelange ich immer an richtig belichtete Fotos (Natürlich nur durch Nachbearbeitung), oder wenn bereits perfekte Lichtverhältnisse gegeben sind.

Anzeige der Belichtungskorrektur bei der Pentax K-1

Fazit

Da Du nun verstehst wie die Belichtungsmessung funktioniert, wirst Du sicherlich in deinem Fotoarchiv einige der Fehler erkennen und kannst sie in Zukunft vermeiden. ich denke die Belichtungsmessung zu verstehen, gehört zu den Grundlagen der Fotografie und bringen dich als Fotografie Anfänger auf das nächste Level. Zusätzlich empfehle ich dir den M-Modus deiner Kamera zu verstehen und zu wissen wie ISO, Blende und Verschlusszeit funktionieren.

Jedenfalls, wie bereits gesagt, kann ich die Spotmessung empfehlen und würde notfalls auf Manuell umsteigen, wenn es nicht anders geht. Die Matrixmessung eignet sich für dich, wenn es mal schnell gehen muss. Du musst jedoch üben, üben, üben.

Solltest Du übrigens richtig fotografieren lernen wollen, dann trage dich in meinem Newsletter ein. Ich biete bald einen Fotografie Kurs an, in dem Du in wenigen Wochen und mit wenig Zeitaufwand, so gut fotografieren lernen kannst, wie ich nach 2-3 Jahren. Kein Bullshit, nur das Wichtigste was man braucht um bei einem Fotoshooting genau zu wissen wie man zum gewünschten Ergebnis kommt. Einfach und praktisch.

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