Wie ich meine Preise erhöht habe und du ebenfalls verlangen kannst was deine Arbeit wert ist

Häufig höre ich von Menschen voller Begeisterung, dass mein Job als Fotograf ein Traumberuf ist. „Ich liebe Fotografie“ oder „Ich wäre auch gern Fotograf“, sagen viele. Die meisten aber trauen sich nicht damit anzufangen.

Damals war es bei mir ähnlich. Ich hatte meine Kamera und machte die schlechtesten Bilder ohne wirklich gute Aufträge zu bekommen. Ich war viel mit Webdesign beschäftigt und habe mich über Kunden geärgert, welche Ihre Rechnungen nicht zahlten und einfach ausgewandert sind oder sich in Luft aufgelöst haben.

Das Leben als Fotograf hat mich jedoch schon immer fasziniert, nur leider habe ich niemals einen Ausbildungsplatz bekommen (zumindest als ich noch eine Ausbildung machen wollte). Mich reizte es mehr Zeit unterwegs zu verbringen und mit Menschen zu arbeiten als täglich 8-16 Stunden vor dem Computer zu sitzen. Natürlich war ich im Großen und Ganzen viel zufriedener als viele andere Menschen. Ich kann mir als selbständiger Webdesigner und SEO meine Arbeitszeit und den Arbeitsort frei aussuchen. Dennoch habe ich mich nach beruflichen Aussicht durch meinem Sucher gesehnt.

Ein langer Weg vom Anfänger bis zum Berufsfotografen

Meine Reise vom Handwerker auf dem Bau, über SEO und Webdesign bis hin zum Fotografen war sehr langwierig. Jahrelang habe ich miserable Bilder gemacht auf die ich stolz war. Fotografie war dabei jedoch niemals nur ein Hobby von mir. Ich wollte sie von Anfang an zu meinem Beruf machen. Das stand bereits fest bevor ich meine erste Kamera gekauft habe.

So habe ich anfangs ziemlich jeden Job angenommen, der mir vor die Flinte kam. Ich habe beispielsweise als Diskofotograf zwei Jahre lang zu den wildesten Uhrzeiten an den feierlichsten Tagen die betrunkensten Menschen fotografiert bevor ich tatsächlich anfing mehr Geld verdienen zu wollen und reale Preise zu fordern.

Dazu gehörte es übrigens auch Aufträge abzulehnen, sich selbst treu zu bleiben und augenscheinlich gute Gelegenheiten vorbeiziehen zu lassen. Wie zum Beispiel die schlecht bezahlten Monate als Fotograf auf Mallorca, welche mich nur geistig weitergebracht haben.

Ich ging also weg vom „Ich muss mir unbedingt ein Portfolio aufbauen“ und hin zum „Das ist mein Job und ich will davon leben. Also muss ich auch meine Rechnungen davon bezahlen können und verlangen was meine Arbeit wert ist.“

Vorbereitet sein, viel rechnen und viel lesen

Am Anfang meines Plans allein von der Fotografie leben sein zu können, habe ich viele Guides durchgelesen. Dazu zählen auch die bekannten, welche man findet wenn man einfach danach auf Google sucht. Bei dem einem ging es dann darum sich die Kosten der Selbständigkeit durchzurechnen, was mir durch meine bereits bestehende Selbständigkeit nicht schwer gefallen ist. Meinen Stundenlohn für Webdesign und den Tagessatz für SEO kannte ich ja bereits.

Als ich dann die Zahlen für Fotografie sah, war ich allerdings schon etwas schockiert und fragte mich wer so viel Geld für Fotos ausgeben würde. Gerade als Privatperson. Anfangs fiel es mir sogar schwer Privatkunden Summen von bis zu 3.800€ zu nennen und kam mir dabei fast lächerlich vor.

Ich dachte sogar über Sätze nach wie: „Andere Fotografen nehmen 1.000€ nur für ein Hochzeitsalbum. Ich sicherlich nicht. Das sind doch Halsabschneider.“ Kurzzeitig hatte ich sogar tatsächlich günstigere Pakete im Angebot und habe viel zusätzlich gemacht. Ich war quasi die beste Qualität für wenig Geld.

Langsame Preiserhöhungen

Ich fing langsam an die Preise zu erhöhen, da meine Zielgruppe nicht meinen damaligen Auftraggebern entsprach und ich mich fragte wieso es so ist. Mir wurde bewusst, dass ich meine Preise erhöhen musste um an die Aufträge heranzukommen die mir Spaß bereiten und gleichzeitig meinen Lebensbedarf decken würden.

Meine Qualität konnte sich bereits sehen lassen. Ich hatte nur zu viele langweilige und schlecht bezahlte Aufträge. Vor allem meine sozialen Kreise haben meine Preiserhöhung nicht verstehen können. Wieso ich denn nicht für eine halbe Stunde Pärchen-Shooting anfahre, weil dem Kunden eine ganze Stunde zu teuer ist. Oder die Taufe die ich nicht angenommen habe, weil 100 € pauschal dem Aufwand, dem Service und der Qualität meiner Arbeit nicht gerecht werden.

Als ich verstanden habe, dass ich mein Unternehmen nicht mehr wie eine gemeinnützige Organisation führen muss, waren mir auch die abwertenden Kommentare von Bekannten egal. Wie wir wissen ist ein Unternehmen, welches sein einziges Produkt kostenlos auf den Markt wirft langfristig nicht tragbar. Als ich dann meine Preise erhöht habe merkte ich jedoch wie mein Unternehmen erst richtig anfing zu florieren.

preise-erhoehen-als-fotograf

Preisgestaltung ist enorm wichtig

Die Liebe zur Fotografie und die Lust am Fotografieren lässt bedauerlicherweise viele Fotografen die Wichtigkeit der Preisgestaltung vergessen. Als ich damals zum ersten Mal meine Preise für die Fotografie berechnet hatte, kamen echte zahlen dabei heraus.

Als ich jedoch einen Schritt zurück getreten bin, musste ich feststellen, dass die vielen Extras für meine Kunden einen unwirklichen Stundenlohn darstellten. Ein klassischer Anfängerfehler, aus dem ich folgendes gelernt habe:

„Kunden die wenig zahlen wollen viel Extra haben, weil sie den Wert der Arbeit als niedrig einschätzen“.

Ich hatte mich erneut hingesetzt und meinen Stundenlohn / Preispakete umgestaltet. Einfache Mathematik. Wie viele Stunden hat ein Tag? Wie viele Hochzeiten kann ich im Jahr fotografieren? Wie lange dauert ein Kundengespräch und reicht ein einziges Meeting tatsächlich aus? Wie lange dauert es überhaupt diesen Blog-Artikel zu schreiben?

Alles gehört zum Unternehmen dazu. Selbst das Onlinemarketing durch den du diesen Artikel hier gefunden hast. Sofern du übrigens Fotograf bist gehört das Lesen dieses Artikels übrigens auch zu deiner Arbeitszeit und zählt zum Bereich Fortbildung / Lernen.

Wie man also unschwer erkennen kann ist der oben genannte Begriff „einfache Mathematik“ sehr dehnbar.

Nachdem ich also meine neuen Preise berechnet habe wurde immer deutlicher, dass eine Preiserhöhung und neue Preisberechnung sehr sinnvoll war. Man muss genug verdienen um nach Abzug der Steuer einen Profit erwirtschaftet zu haben. Falls du deine Preise erhöhen willst merke dir:

„Genau so, wie Kunden ihr Gehalt verdienen müssen, musst du auch deins verdienen.“

Selbst wenn du die Fotografie liebst, ist es am ende des Tages ein Business und muss auch so behandelt werden.

Probieren und Feintuning

Wer heutzutage Berufsfotograf werden möchte verfügt einen enormen Vorteil. Man kann den seinen Weg gehen und aus eigenen Fehlern lernen ohne dabei all zu hart leiden zu müssen. Man kann neben seinem normalen Beruf mit einem Nebengewerbe anfangen. Das macht man bis man entweder genug gespart hat um davon ein-zwei Jahre zu zehren oder bis man damit genug verdient um den Absprung zu schaffen. Ohne ein downgrade des Lebensstandards in Kauf nehmen zu müssen.

Man sich auf diesen Wegen viele Frustrationen sparen. Falls ein Kunde nicht zahlt, oder ein großer Auftrag nicht zustande kommt, kann man sein Unternehmen einfach umstrukturieren ohne dabei zu sehr auf die Nase zu fallen.
preisgestaltung-fuer-fotografen

Verlange was du wert bist und stehe dahinter

Falls dich Zweifel an deinen ausgerechneten Zahlen plagen kann dir das Wissen der folgenden Tatsache helfen.

Wusstest du, dass Beats by DRE Kopfhörer in der Produktion etwa 15€ kosten und trotzdem für 199€ über die Ladentheke gehen? Das sind dreizehn Mal so viel wie in der Herstellung ausgegeben wird. Jeder hat so ein Teil (ich nicht). Letztens habe ich sogar jemanden mit speckiger Jogginghose gesehen, der so ein Ding auf den Ohren hatte.

Wenn man bedenkt, dass man als Fotograf einen echten Mehrwert für den Kunden liefert kann man eine vierfache Preiserhöhung bedenkenlos durchführen. Egal ob es um Bewerbungsbilder oder Stundenlohn für eine Hochzeit geht. Solange man einen sinnvollen Mehrwert zum Erreichen des Ziels seiner Kunden bietet, kann man das machen.

Viele Menschen neigen dazu sich schlecht zu fühlen, wenn es um das Thema Geld geht. Gerade wenn man der Meinung ist jeder Mensch hat gute Bilder verdient. Wenn man dann aber plötzlich 200€ für ein kleines Foto-Shooting verlangt schaltet sich das Gewissen ein und man fühlt sich als wenn man jemanden berauben würde. Die Leute verdienen ja auch nur ihre 12€ / Stunde Brutto. Mit folgendem einfachen Satz versuche ich dir die Sorgen zu nehmen. Lasse ihn einfach auf dich wirken:

„Nicht jeder kann dein Kunde sein.“

Denke einfach mal darüber nach. Nicht jeder ist dein Kunde und nicht jeder wird dein Kunde sein. Du kennst doch sicherlich McDonalds.

McDonalds macht viel Umsatz und funktioniert gut. Es gibt Filialen davon in praktisch jedem Land auf der Welt. Dennoch gehen viele Leute nicht zu McDonalds. Sie gehen lieber zu Burger King, Subway, Maredo oder Vapiano.
Du wirst mir sicherlich zustimmen, wenn ich dir sage in jedes dieser Restaurants geht eine andere Art von Mensch. Spätestens jetzt solltest du verstehen was mit dem Zitat oben gemeint ist.

Es ist utopisch einen Marktanteil von 100 % haben zu wollen. Das hat weder McDonalds, noch Subway. Der Fotografie-Markt ist so groß, dass mir persönlich sogar 1 % Marktanteil reichen würden. Hauptsache diese 1 % ist genau meine Zielgruppe mit der ich zusammenarbeiten möchte.

Mein Tipp an dich ist es dich zu spezialisieren. Spezialisiere dich auf eine Art von Fotografie und eine Art von Kunden. Je mehr du dich spezialisierst, desto genauer und höher kannst du deine Preise definieren. Aber das ist ein anderes Thema und ebenfalls sehr umfangreich.

Abschließende Worte

habe ich trotzdem noch für dich. Wenn du der Überzeugung bist, dass deine Arbeit es Wert ist, dann verlange mindestens so viel wie du musst.

Rechne dir genau aus was du jährlich verdienen musst und denke dabei an Krankenkasse, Steuern, Essen, Miete und sogar Fotostudio, falls du eins möchtest. Denke sogar an das Hosting für deine Website, denke an Flyer und denke an Briefmarken. Denke auch Feiertage, Urlaub und Krankheit. Kalkuliere alles mit ein und teile es anschließend durch deine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 60 Stunden. Gehe dann von einer Auslastung von 10-20% aus und Schwups hast du realistische Preise für dein Fotografie-Business.

Unter folgendem Link habe ich eine Buchempfehlung für dich. Ich besitze es selbst und es hat mir sehr geholfen die richtigen Kunden zu generieren:
WunschKundenBusiness: Mach was Dich antreibt. Arbeite mit Wunschkunden. Vergiss den Rest*

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18 Gedanken zu „Wie ich meine Preise erhöht habe und du ebenfalls verlangen kannst was deine Arbeit wert ist“

    • Schön, dass wir da auf einer Wellenlänge sind, Bernhard. Ich finde jedoch, dass jeder Anbieter auf dem Markt seine Berechtigung hat. Auch solche, die günstig oder gar umsonst arbeiten.

  1. Sehr schöner Post. Ich bin momentan etwa da wo du vor einigen Jahren warst, wie du beschreibst. Da waren einige sehr nützliche Gedanken dabei!

    VG
    Frank

  2. Hi!
    Erstmal vielen Dank für den tollen Artikel, der wirklich sehr interessant ist.
    Das Rechenbeispiel kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Was meinst du mit der Auslastung von 10-20%. Bedeutet das Ergebnis der Rechnung muss ich mit 5 multiplizieren um den Betrag zu erhalten den ich bei 20% Auslastung benötige um auf die errechnete Summe zukommen, bzw. mit 10 um bei einer 10% Auslastung das Ziel planmäßig erreiche?
    Gruß
    Thomas

    • Hi Thomas!
      Dafür nicht.
      Mit einer Auslastung von 10-20% meine ich die tatsächliche Arbeitszeit. Das ist die Zeit in der man Fotografiert. Falls man nämlich alleine ist und sich um Papierkram, Werbung und Emails kümmern muss, kommt da sehr viel Zeit zusammen in der man nicht vor der Kamera stehen kann.
      Wenn du also nur 200 Stunden im Monat arbeitest und von einer Auslastung von 20% ausgehst, musst du in 40 Stunden das Geld verdienen um deine ausgerechneten, monatlichen Kosten (Mit Gewinn) decken zu können.
      Möchtest du also 4.000 € im Monat verdienen musst du rechnen; 4.000 € : 40 Arbeitsstunden = 100 € / Stunde.
      Ich hoffe es hilft.

  3. Ein sehr guter Bericht. Er kommt genau richtig zur Anpassungen unserer Preise im Studio und On Location in den nächsten Tagen. Lieben Gruß Uwe

  4. Hallo.
    Der Artikel ist super geschrieben und für mich kann ich sehr viel positives daraus ziehen.
    Ich selbst bin den Weg gegangen die Fotografie neben meiner eigentlichen Arbeit im Nebengewerbe zu betreiben bis die Auftragslage es zulässt mein Hobby zum Vollzeitjob machen zu können.
    Die Realität sieht da allerdings anders aus.

    Ich hoffe dass ich die neuen Denkanstöße umsetzen kann und mich damit besser in der Branche etablieren kann.

    Grüße Dominik

    • Hallo Dominik.
      Danke für dein Kompliment und ich freue mich, dass du dir viel positives daraus ziehen konntest.
      Ich finde den Weg den du gehst gut, wenn ich das so lese und wünsche dir, dass es bald noch besser für dich funktioniert.
      Niemals aufgeben.

  5. Hi.
    Ich finde den Artikel gut. Was mir fehlt ist die genau Preisanalyse, was muss man mindestens nehmen, unabhängig davon ob man ein Studio hat, in einer großen Stadt wohnt oder im Norden bzw. Süden oder Osten bzw. Westen der Republik. Es gibt nämlich einen Mindeststundenlohn den man braucht um ein erträgliches Auskommen zu haben. Oft hat man als Fotograf das Problem das an einen Std. Lohn von 150,-€ vor seinem Kunden rechtfertigen muss. Aber genau so ist es, wenn man für einen Std. Lohn von 35,-€ hat. Diesen muss man dann am Ende eines Jahres vor sich rechtfertigen. Das minimum zu ermitteln ist ganz wichtig, um zu wissen wann man Geld mitbringt zu seiner Arbeit. Und das wiederrum ist ein Argument für alle Kunden, denn es bringt niemand Geld zu seiner Arbeit mit!
    Viele Grüße Roland

    • Danke für deinen Kommentar, Roland!
      Preisgestaltung ist gewiss nicht einfach. Jeder muss sich deswegen seine Preise selbst kalkulieren und wissen was er für sich zum Leben und zum glücklich sein braucht.
      Das ist so individuell, dass man es nicht über einen Kamm scheren kann.
      Viele Grüße!

  6. Super Blog und tolle Tipps, danke dafür. Ich habe vor knapp zwei Jahren einen Foodblog online gestellt und versuche nun auch, meine Fotografie immer weiter zu verbessern, sodass ich auch neben dem Blog fotografieren kann. Freue mich daher über informative Blogs wie deinen.

    LG Marsha

Kommentare sind geschlossen.

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