Fuji GFX 100S Test 2026: Mittelformat — Wahnsinn & Realität
102 Megapixel, Farben wie aus einer anderen Liga, ein Autofokus mit Grenzen und RAW-Dateien, die selbst ein MacBook Pro M4 Pro ins Grübeln bringen. Ein ehrlicher Praxis-Test von einem Fotografen, der die Kamera durch Aufträge refinanziert.
Autor
Martin Kleinheinz
Fotograf · Hannover
Aktualisiert
18. August 2026
Die Fuji GFX 100S kostet rund 5.000 Euro für das Gehäuse. Kein Objektiv dabei. Kein Speicher. Keine Aufbewahrung. Für die meisten Fotografen ist das kein Kaufpreis — das ist ein Statement.
Ich habe sie trotzdem gekauft. Und ich bereue es nicht — aber ich refinanziere sie durch Aufträge. Wenn das bei Dir nicht zutrifft, lies diesen Artikel sorgfältig. Denn die GFX 100S ist in bestimmten Disziplinen schlicht die beste Kamera, die ich je in den Händen gehalten habe. Und in anderen Disziplinen verliert sie klar gegen Kameras, die ein Sechstel kosten.
Dieser Artikel gibt Dir alles: technische Daten, direkter Vergleich zur Nikon Z6 II und Sony RX100 VII, ehrliche Einschätzung der Stärken und Schwächen — und eine klare Antwort auf die Frage, für wen die GFX 100S wirklich Sinn ergibt.
Die Fuji GFX 100S ist eine Kamera für Portrait- und Detailfotografie, bei der Bildqualität wichtiger ist als Tempo. Sie liefert Farbtiefen und Hauttöne, die ich mit Vollformat-Kameras so nicht erreiche. Der Preis ist hoch, der Anwendungsbereich schmal, und der Workflow fordert Geduld. Wer das akzeptiert — und refinanzieren kann — bekommt etwas Besonderes.
01
Spezifikation
Technische Daten: Was steckt wirklich drin?
Bevor wir in den Praxis-Check gehen: Die GFX 100S ist keine Vollformat-Kamera mit mehr Megapixeln. Der 43,8 × 32,9 mm große Sensor ist rund 70 % größer als ein Vollformatssensor — das macht physikalisch einen fundamentalen Unterschied in Farbtiefe, Dynamikumfang und Schärfentiefekontrolle.
Ja — spritzwasser- und staubgeschützt, −10 °C kältefest
Speicher
2× UHS-II SD-Karten-Slots
RAW-Dateigröße
ca. 100–200 MB pro Bild (unkomprimiert)
Gewicht
900 g mit Akku — kein Hosentaschen-Equipment
Akku
NP-W235 — ca. 460 Aufnahmen (CIPA)
Preis Gehäuse
ca. 4.999–5.500 € je nach Händler, Stand 2026
Fuji GFX 100S — Spezifikationen, Stand August 2026
02
Direktvergleich
GFX 100S vs. Nikon Z6 II vs. Sony RX100 VII — was kostet was, und was bekommst Du?
Dieser Vergleich ist bewusst ungleich — das ist der Punkt. Die Nikon Z6 II und die Sony RX100 VII kosten ein Bruchteil der GFX 100S. Die Frage ist nicht, welche Kamera besser ist, sondern: Was kauft man mit dem Preisunterschied?
Kriterium
Fuji GFX 100S
Nikon Z6 II
Sony RX100 VII
Sensor
102 MP Mittelformat
24,5 MP Vollformat
20,1 MP 1"
Sensorfläche
43,8 × 32,9 mm
35,9 × 23,9 mm
13,2 × 8,8 mm
Farb- & Tonwerttiefe
Außergewöhnlich
Sehr gut
Gut
Hauttöne Portrait
Überragend
Sehr gut
Gut
Dynamikumfang
ca. 14 EV
ca. 14 EV
ca. 12 EV
Autofokus Allround
Gut, aber nicht führend
Sehr gut — PDAF 273 Punkte
Exzellent — 357 Phasen-AF
AF bei Bewegung/Action
Bedingt
Sehr gut
Sehr gut
Serienbildrate
5 fps
14 fps (12-bit RAW)
20 fps blackout-free
RAW-Dateigröße
100–200 MB
ca. 25–30 MB
ca. 18 MB
Bearbeitungsgeschwindigkeit
Langsam (große Daten)
Schnell
Sehr schnell
4K-Video
4K/30p, 10-Bit
4K/60p, 10-Bit N-Log
4K/30p, kein Log
Gewicht mit Akku
900 g
705 g
302 g
Preis Gehäuse ca.
5.000 €
1.800–2.000 €
1.049 €
Für wen?
Portrait, Studio, Detail
Allrounder, Video, Events
Reise, Street, Vlog
Alle Angaben: Herstellerangaben und eigene Praxis — Stand August 2026
Der Preisunterschied zwischen GFX 100S und Nikon Z6 II beträgt rund 3.000 Euro. Das sind drei weitere Vollformat-Objektive. Ein gutes Tagesstudio auf Zeit. Mehrere Workshops. Die Frage ist nicht, ob die GFX besser ist — sie ist in bestimmten Bereichen besser. Die Frage ist, ob der Unterschied den Preis rechtfertigt. Für die meisten: nein. Für spezifische Einsätze: ja.
03
Das Alleinstellungsmerkmal
Farben & Farbtiefe: Was überragend wirklich bedeutet
Ich wähle Worte normalerweise vorsichtig. Aber hier ist es so: Die Farbwiedergabe der GFX 100S ist auf einem Niveau, das ich mit Vollformat-Kameras — auch mit der Nikon Z6 II — nicht erreiche. Es liegt nicht an den 102 Megapixeln allein. Es liegt an der physikalischen Sensorfläche, die schlicht mehr Licht einfängt und mehr Farb-Information pro Pixel speichert.
Farbtiefe
Die Übergänge in Hauttönen, Kleidungsfalten und Naturfarben wirken bei der GFX plastischer und differenzierter. Wenn ich ein GFX-Portrait mit einem Z6-II-Portrait nebeneinander lege, sieht das GFX-Bild nach mehr aus — nicht nach mehr Schärfe, sondern nach mehr Substanz.
Hauttöne Portrait
Das ist das Killer-Argument für Business-Portraits. Wenn eine gut belichtete GFX-Aufnahme in der Entwicklung landet, habe ich eine Basis, die sich fast von selbst gut aussieht. Hauttöne bleiben auch unter aggressiveren Anpassungen sauber und warm.
Dynamikumfang
ca. 14 EV — ähnlich der Z6 II auf dem Papier, aber in der Praxis sitzt der Mittelformat-Sensor anders. Details in Tiefen und Lichtern lassen sich weiter zurückholen, ohne dass Rauschen die Substanz frisst.
Hochdruckdetail
Bei 102 Megapixeln kannst Du ein Portraitbild auf einen Großaufzug drucken und noch Poren sehen. Das ist für Portraitfotografie, die in Print oder großen Displays landet, ein praktischer Vorteil — nicht nur ein Spec-Sheet-Wert.
Platzhalter — eigene Beispielbilder werden hier eingesetzt.
04
Die Schwäche
Autofokus: Gut — aber nicht auf dem Niveau der Konkurrenz
Ich sage das klar: Die GFX 100S hat für eine Kamera dieses Preises einen Autofokus, der enttäuscht. Nicht weil er schlecht wäre — in kontrollierten Situationen arbeitet er sauber. Sondern weil er im direkten Vergleich zur Nikon Z6 II und erst recht zur Sony RX100 VII zurückliegt.
Trefferquote bei Bewegung
Wenn sich jemand durch das Bild bewegt — auch nur um seinen Stuhl zu rücken — sinkt die Trefferquote der GFX spürbar. Bei der Z6 II bleibe ich entspannt. Bei der GFX muss ich öfter nachhelfen oder mehr Bilder schießen, um dieselbe Ausbeute zu sichern.
Eye-AF-Zuverlässigkeit
Der Eye-AF der GFX funktioniert — aber er ist weniger stabil als der der Z6 II. Bei kleinen Kopfbewegungen, Profilaufnahmen oder schwierigem Licht muss ich auf der GFX häufiger den AF-Bereich manuell einschränken oder nachjustieren.
Systembedingte Grenze
Mittelformat-Objektive sind groß, die Autofokus-Mechanik entsprechend langsamer. Die maximale Serienbildrate von 5 fps (mechanisch real näher an 1 fps) bedeutet: Du arbeitest mit der GFX bewusst und methodisch — nicht reaktiv.
Mein Umgang damit
In der Praxis: Ich plane Portraits-Sessions so, dass der AF nicht die limitierende Variable ist. Ich arbeite mit manuellem Fokus-Check, fixierten AF-Feldern und redundanten Aufnahmen. Das kostet Zeit — aber das Ergebnis rechtfertigt es.
05
Der versteckte Kostenfaktor
100+ MB pro Bild: Was die RAW-Last wirklich bedeutet
Die zweite, unterschätzte Schwäche der GFX 100S liegt nicht in der Optik — sie liegt im Rechner. Wer mit 100–200 MB großen RAW-Dateien arbeitet, merkt das überall: beim Import, beim Scrollen durch die Galerie, beim Entwickeln in Lightroom, beim Export. Auch ein MacBook Pro mit M4 Pro lädt GFX-RAWs spürbar langsamer als Vollformat-RAWs.
Workflow-Schritt
Fuji GFX 100S (100–200 MB)
Nikon Z6 II (ca. 25 MB)
Import 500 Bilder
deutlich länger, hoher Speicherbedarf
schnell, kompakt
Galerie scrollen
spürbare Ladezeit pro Bild
flüssig
Entwickeln Lightroom
Rendern verzögert, Slider-Reaktion träger
direkte Rückmeldung
1:1-Vorschau rendern
dauert pro Bild merklich
schnell
Export 500 Bilder (JPEG)
ca. 3–5× länger
Referenz
Speicherbedarf/Shooting
50–100 GB unkomprimiert
12–15 GB
Relativer Eindruck aus der Praxis, MacBook Pro M4 Pro, Lightroom Classic — Stand August 2026
Speicherkarten
UHS-II-Karten sind Pflicht — keine Option. Günstige UHS-I-Karten werden zum echten Flaschenhals. Zwei schnelle SD-UHS-II-Karten à 256 GB minimum für einen Job-Tag.
Backup & Archiv
Ein Portrait-Shooting mit 300–400 Bildern erzeugt 30–80 GB. Wer regelmäßig schießt, braucht ein strukturiertes Backup-System. Das ist für Profis nichts Neues — aber die GFX hebt das Thema auf eine neue Skala.
Workarounds
Smart Previews in Lightroom helfen. Komprimiertes RAW (Fuji bietet das) reduziert die Dateigröße auf 50–70 MB mit minimalem Qualitätsverlust. Ich empfehle das für alle außer Printprojekten mit maximaler Auflösung.
06
Kauf & Refinanzierung
5.000 Euro: Ein frivoler Kauf — oder die beste Investition?
Ich sage es direkt: Die GFX 100S ist als Hobby-Kauf schwer zu rechtfertigen. 5.000 € für das Gehäuse, nochmals 1.500–3.000 € für ein gutes Objektiv (z. B. das GF 80mm f/1.7) — das ergibt schnell 7.000–8.000 € für ein Portrait-Setup. Damit könntest Du vier sehr gute Vollformat-Setups kaufen.
Meine Rechnung
Ich refinanziere die Kamera durch Aufträge. Business-Portrait-Shootings, bei denen Kunden für printfähige Headshots zahlen — genau da spielt die GFX-Qualität direkt in die Preiskalkulation ein. Der Kaufpreis war nach etwa 8–10 größeren Aufträgen zurück.
Der frivole Aspekt
Trotzdem: Ich nenne es einen frivoler Kauf, weil der reine Qualitätsunterschied zur Z6 II für 90 % der Kundenjobs nicht erkennbar oder zahlungsrelevant ist. Ich kaufe ihn auch, weil die Kamera mich als Fotografen begeistert — das muss ich ehrlich zugeben.
Für Hobbyisten
Wenn Du die GFX aus purer Leidenschaft kaufst, ohne Refinanzierung: Das ist absolut legitim. Aber Du solltest wissen, dass Du für dasselbe Geld ein Vollformat-Setup kaufen könntest, das in 95 % der Situationen keine sichtbare Qualitätseinbuße hat.
“Die GFX 100S ist der Ferrari unter den Kameras: Man kauft ihn nicht, weil man ihn braucht. Man kauft ihn, weil man ihn will — und wenn man clever ist, lässt man ihn für sich arbeiten.”
— Martin Kleinheinz
07
Kaufentscheidung
Für wen die GFX 100S wirklich ist — und für wen nicht
Situation
GFX 100S sinnvoll?
Besser wäre…
Business-Portraits, printfähig
Ja — Kernstärke
—
Executive Headshots, Großformat
Ja — direkt verrechenbar
—
Studio-Portrait mit Zeit
Ja — ideales Umfeld
—
Hobbyportrait, keine Aufträge
Frivoler Kauf
Nikon Z6 II
Events, Hochzeit, Bewegung
Bedingt bis nein
Nikon Z6 II
Action, Sport, Serienbild
Nein
Nikon Z6 II oder Sony Alpha
Reise & Alltag
Nein (zu schwer, zu teuer)
Sony RX100 VII
Video, Vlog, Content
Eher nein (4K/30p max)
Sony Alpha / Z6 II
Einstieg in Mittelformat
Ja — beste Einsteigeroption
—
Kaufmatrix — Stand August 2026
Die Nikon Z6 II und Sony RX100 VII spielen in anderen Ligen — aber genau das macht den Vergleich wertvoll. Der Sony-Test ist hier auf der Website — eine exzellente Kamera für völlig andere Zwecke. Die Nikon Z6 II ist der direkteste Gegenspieler für alle, die Allround-Qualität für Events und Portraits suchen, ohne Mittelformat-Kompromisse zu tragen.
08
Fazit
Mein Fazit: Kaufen — aber mit offenen Augen
Die Fuji GFX 100S ist die beste Kamera, die ich für Portraitfotografie je genutzt habe. Die Farbtiefe, die Hauttöne, die Zeichnung — das ist auf einem Niveau, das Vollformat schlicht nicht erreicht. Wer das als Profi in seine Arbeit einbringen und durch Aufträge refinanzieren kann: klare Empfehlung.
Gleichzeitig: Sie hat echte Grenzen. Der Autofokus verliert gegen die Nikon Z6 II. Die RAW-Daten machen den Workflow schwerer. Sie ist kein Allrounder — sie ist ein Spezialist. Wer sie als Spezialist einsetzt, wird nicht enttäuscht. Wer eine Allround-Kamera sucht, kauft lieber eine Nikon Z6 II und legt die gesparte Hälfte in Objektive.
09
FAQ
Häufige Fragen zur Fuji GFX 100S
Was kostet die Fuji GFX 100S 2026?+
Das Gehäuse kostet ca. 4.999–5.500 € je nach Händler. Dazu kommt mindestens ein Objektiv: Das GF 80mm f/1.7 (Portraitstandard) liegt bei ca. 1.700–2.000 €, das GF 50mm f/3.5 (günstigerer Einstieg) bei ca. 1.000 €. Ein vollständiges Portrait-Setup kostet realistisch 6.500–8.000 €.
Ist die GFX 100S besser als die Nikon Z6 II?+
In Bildqualität, Farbtiefe und Portraitqualität: ja — deutlich. In Autofokus, Serienbildrate, Video-Ausstattung, Flexibilität und Preis: nein. Die Nikon Z6 II ist ein Allrounder, die GFX 100S ein Spezialist. Für die meisten Fotografen ist die Z6 II die bessere Wahl.
Kann ich die GFX 100S für Events nutzen?+
Bedingt — für kontrollierte Portrait-Slots auf Events ja. Für dynamische Reportage, Action und Situationen, die keinen Fehler erlauben, lieber nicht. Der Autofokus und die 5-fps-Grenze setzen enge Rahmenbedingungen.
Wie groß sind die RAW-Dateien der GFX 100S?+
Unkomprimierte RAF-Dateien sind 100–200 MB pro Bild. Komprimiertes RAF (von Fuji angeboten) reduziert das auf 50–70 MB mit minimalem Qualitätsverlust. Für die meisten Jobs empfehle ich komprimiertes RAF — Ausnahme: großformatige Prints mit maximaler Auflösung.
Läuft Lightroom mit GFX 100S-Dateien flüssig?+
Auf einem MacBook Pro M4 Pro: spürbar langsamer als mit Vollformat-RAWs. Das Laden, Rendern und Exportieren dauert länger. Smart Previews aktivieren und komprimiertes RAW nutzen helfen deutlich. Wer täglich hunderte Bilder bearbeitet, sollte das in die Kaufentscheidung einrechnen.
Welches Objektiv empfiehlst Du zur GFX 100S für Portraits?+
Das Fujifilm GF 80mm f/1.7 ist das beste Portrait-Objektiv für das GFX-System — Äquivalent zu ca. 63 mm auf Vollformat, f/1.7 für ausgezeichnete Freistellung. Wer sparen will: Das GF 110mm f/2 ist etwas länger (87 mm Äquivalent) und liefert ebenfalls außergewöhnliche Ergebnisse.
Lohnt sich der Kauf ohne Auftragsrefinanzierung?+
Ehrlich: Nur wenn Du weißt, was Du tust. Als Hobbykauf ist die GFX 100S schwer zu rechtfertigen — du bezahlst 5.000 € für Qualitätsunterschiede, die in den meisten Anzeige-Kontexten unsichtbar sind. Als Profi-Investition mit klaren Print-/Portrait-Aufträgen: absolut sinnvoll.
Eigene Praxis: Die GFX 100S gehört zu meiner Ausrüstung und wurde nicht gesponsert. Affiliate-Links mit * kennzeichnen Produktlinks zu Amazon — ich erhalte eine kleine Provision ohne Mehrkosten für Dich.
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