Wenn man sich eine neue digitale Spiegelreflexkamera oder ein neues Objektiv kaufen möchte, sollte man den Unterschied zwischen einer APS-C (Crop) und einer Vollformatkamera verstehen. Hier sind die Unterschiede beschrieben und Du erfährst was das für Dich bedeutet.

DSLR Kameras verfügen über einen Sensor, welcher den herkömmlichen film einer analogen Kamera ersetzt. Die Größe des Sensors bestimmt also wie sich die Kamera verhält.

Damals war den meisten Menschen mit einer analogen Spiegelreflexkamera der 35mm Film geläufig. Wenn man diesen 35mm Film mit einer aktuellen Spiegelreflexkamera im Vollformat vergleicht, entspricht der Sensor in etwa der selben Größe wie ein 35mm Film.

APS-C

APS-C bedeutet „Advanced Photo System type-C„.
APS ist ein altes Filmformat, welches drei verschiedene Größen zur Auswahl hatte. Das „C“ in APS-C ist dabei die Typ-Bezeichnung und steht für „Classic“. Es verfügt über ein Seitenverhältnis von 3:2 und Maße von 25,1mm x 16,7mm.

Cropfaktor einfach erklärt

Ein APS-C Sensor ist kleiner als ein Vollformat Sensor. Das bedeutet, dass die Ränder bei einer APS-C Aufnahme im Gegensatz zur Aufnahme einer Vollformat Kamera abgeschnitten werden. Der Bildausschnitt ist kleiner (Englisch: „cropped„). Das Bild unten wird dir einen Eindruck über den Unterschied vermitteln können.

cropfaktor
Der Cropfaktor erklärt sich dadurch, dass der APS-C Sensor im Vergleich zum Vollformat die Ränder abschneidet.

Wie man sieht, ist auf der Vollformat-Aufnahme viel mehr von der Szene zu sehen.

Weil der APS-C Sensor kleiner ist kann er meistens weniger Details darstellen.
Stelle dir als Beispiel dazu einen Maler vor. Dieser kann auf einer kleineren Leinwand weniger malen als auf einer großen.

Vorteile Crop Kamera

Vollformat-Sensoren sind größer als APS-C Sensoren. Deswegen kosten sie und die komplette Kamera mehr.
Eine Vollformat Kamera benötigt aufgrund dessen viel größere Objektive um genügend Licht auf den Sensor scheinen zu lassen. Aus diesem Grund kann man keine Nikon DX Linse vernünftig an einer FX Kamera verwenden. DX Objektive benötigen weniger Glas, weil weniger Licht auf den kleineren Sensor scheinen muss und sind deswegen günstiger in der Herstellung.

Eine Crop Kamera hat jedoch noch weitere Vorteile als nur den geringeren Preis vorzuweisen.
Sie kann das selbe wie eine Vollformat Kamera. Beide funktionieren gleich. Sie lichten lediglich die Szene anders ab.
Dabei rede ich nicht nur von den Megapixeln und abgeschnittenen Rändern.

Hintergrund und Bokeh

hintergrund-crop-telephoto-effekt
Durch einen weicheren Hintergrund (Bokeh) wird die Person deutlich hervorgehoben.

Stelle dir vor du möchtest eine Person mit deiner Crop Kamera fotografieren.
Du gehst ganz nah an die Person heran weil du möchtest, dass sie das komplette Bild ausfüllt.
Stelle Dir dazu nun Bäume im Hintergrund vor.
Die Bäume lenken aber durch ihre kleinen, einzelnen Blätter von der Person ab.
Du möchtest es also am liebsten offenblendig fotografieren um das die Bäume im Hintergrund mit dem Bokeh verschwimmen zu lassen.
Du öffnest also deine Blende, nimmst das Foto auf und die Bäume sind verschwommen. Es lenkt nichts mehr von der Person ab.

Jetzt wechselst du zu deiner Vollformat Kamera und schaust durch den Sucher.
Dir fällt auf, dass die Person gar nicht mehr den Bildschirm füllt.
Dabei ist es das selbe Objektiv und du verwendest die selben Kameraeinstellungen.
Alles was du jetzt um die Person herum sehen kannst wurde vorher durch die APS-C Kamera abgeschnitten.
Was bedeutet das konkret?

Entweder nimmst du das Bild im Vollformat mit mehr Megapixel auf und schneidest es hinterher zurecht, oder du gehst näher an die Person heran.

Näher an die Person heranzugehen verändert die Bildkomposition jedoch auf seine eigene Art.
Die Person füllt das Bild nun komplett aus, weil man direkt vor ihr steht.
Allerdings verändert sich dadurch die Perspektive und die Person könnte etwas extremer bzw. dynamischer wirken.
Außerdem fokussierst Du nun von einer geringeren Entfernung. Das beeinträchtigt den Bereich der Tiefenschärfe enorm. Diesen Punkt musst Du berücksichtigen.

Der Hintergrund wird noch unschärfer und die Person sticht im Bild noch weiter hervor.

Du hast also die selbe person, das selbe Objektiv und die selben Kameraeinstellung.
Dennoch produziert die Vollformat Kamera ein vollkommen anderes Bild.
Was einem nun besser gefällt ist Geschmacksache.

Makrofotografie Vollformat oder APS-C?

Du wirst dich freuen, wenn du auf einer Blume plötzlich ein Insekt erkennen kannst, welcher mit einer Vollformat Kamera vorher nicht zu sehen war.
Mit deinem Makro-Objektiv möchtest Du nun das ganze Bild mit diesem Insekt füllen.

Jetzt wird eine APS-C Kamera richtig nützlich, denn du musst nicht mehr direkt vor dem Insekt stehen um es Bildfüllend fotografieren zu können.
Für Fotografen die gerne Grillen fotografieren ist das beispielsweise eine großartige Sache, denn so besteht weniger Gefahr das Insekt zu verscheuchen.
In der Makrofotografie ist das ein großes Thema und mit größerer Distanz zum Insekt, minimiert man dieses Risiko das Tier zu verscheuchen.

Ein weiterer Vorteil ist wie oben bereits erwähnt, die Tiefenschärfe.
Der Bereich in dem das Bild scharf ist, ist nämlich aus größerer Distanz ebenfalls größer. So kann man das Insekt auf der Blume besser aufnehmen.

tiefenschaerfe-aps-c-vs-vollformat
Die Distanz zum Objekt hat maßgeblichen Einfluss auf die Tiefenschärfe eines Bildes. Das verschafft der APS-C Kamera einen enormen Vorteil gegenüber dem Vollformat, wenn es um Makrofotografie geht. Diese Grafik ist übrigens nicht exakt und dient lediglich dem Verständnis

Weit entferne Motive

Man möchte nicht direkt im Geschehen stehen, oder aus größerer Entfernung Vögel fotografieren. Mit einer APS-C Kamera hat man automatisch eine längere Brennweite, sodass man einen besseren Telephoto-Effekt erzielen kann.

Crop Faktor Erklärung

Canon APS-C Kameras wie die Canon EOS M5 oder die Canon EOS 750D spricht man einen sogenannten Crop Faktor von 1.6 zu. Nikon APS-C Kameras (Auch DX-Format genannt), wie die Nikon D5500 oder Nikon D500 verfügen über einen Crop Faktor von 1.5.
Manchmal wird der Crop Faktor auch „Multiplikator“ genannt. Das ist so, weil die Brennweite mit dem Crop Faktor multipliziert werden kann und man dadurch einen Eindruck der APS-C Brennweite bekommt. Es ist nicht unbedingt einfach zu verstehen, deswegen folgt nun ein Beispiel.

Wenn Du ein 100mm Objektiv auf einer Vollformat Kamera verwendest, verhält es sich wie ein 100mm Objektiv.
Wenn du jedoch dieses 100mm Objektiv auf eine APS-C Kamera von Nikon schraubst (Crop Faktor 1.5 x 100mm Brennweite), wird sich das Objektiv so verhalten wie ein 150mm Objektiv.
Ein 400mm Objektiv wird an einer APS-C Kamera von Nikon also zu einem 600mm Objektiv und mit einer Canon Kamera sogar zu einem mit 640mm Brennweite.

Das verwenden einer APS-C Kamera vergrößert also die Brennweite.
Allerdings nicht genau so, als wenn die man tatsächlich mit einem Teleobjektiv mit dieser Brennweite fotografiert.

Das Verwenden eine APS-C Kamera vergrößert also nicht wirklich das Bild im Gegensatz zum Vollformat.
Der Eindruck näher am Objekt zu sein kommt daher, dass die Rändern abgeschnitten werden. Dennoch kann es schon Vorteile mit sich bringen, denn wenn die Pixeldichte des APS-C Sensors klein genug ist kann es sogar genau so gut wie ein längeres Objektiv sein.
Die Kombination aus Crop Sensor und Pixeldichte kann im entscheidenden Vorteil resultieren.

crop-vs-vollformat-bildausschnitt
Eine Crop Kamera und eine Vollformat Kamera mit einem identischen Objektiv würden unterschiedliche Bilder aufnehmen

Wenn Du einen APS-C Sensor hast ist es so, als wenn du mit Vollformat und einer längeren Brennweite fotografierst.
Das kann sehr gut bei der Tierfotografie oder Konzertfotografie sein. Bereiche in denen das Motiv weit weg steht.
Für Landschaften eignet es sich hingegen weniger. Klar, denn die Ränder sind abgeschnitten und man sieht weniger vom Motiv, welches bestenfalls komplett auf das Bild soll.
Ein 20mm Objektiv ist mindestens ein 35mm Objektiv auf der APS-C Kamera. Natürlich gibt es auch Objektive mit noch geringere Brennweite, doch auch hier gibt es Limitierungen und man sollte sich darüber im Klaren sein, was man fotografieren möchte.

Die Leinwand eines Künstlers

Am Anfang dieses Artikels habe ich von der Leinwand des Künstlers geschrieben. Ich möchte nun noch einmal darauf zurück kommen.

Wir haben bereits klargestellt, dass Vollformat Sensoren größer sind und deswegen mehr vom Bild auf die Leinwand bekommen.
Mit einer größeren Leinwand kann man besser arbeiten. Das ist klar.

Der APS-C Sensor wird mit seiner kleineren Größe, aber auch kleineren Pixeln dennoch einen Vorteil haben.
Man muss sich das vorstellen, wie wenn der Künstler nun einen kleineren und viel feineren Pinsel zum Malen hat.
Wenn man sich dann noch weiterhin vorstellt, dass der Künstler mit dem feinen Pinsel auf einer richtig großen Leinwand malen kann, versteht man nun den Preis einer Nikon D5 was man damit machen könnte.

Wenn ich mit einer Crop-Kamera bereits jede feine Hautpore bei einem Portrait scharf erkennen kann reicht mir das für ein Poster.
Wenn ich aber eine Hauswand mit Werbung als Plakat verkleiden möchte, brauche ich eine Kamera mit der ich eine Leinwand bemalen kann.

Was ein gutes Bild ausmacht und was es nicht ausmacht ist Geschmacksache.
Wichtig ist wer hinter der Kamera steht. Nicht was für eine Kamera der Fotograf in der Hand hält.
Außer man benötigt bestimmte Ausrüstung für einen Auftrag oder hat ein Budget das eingehalten werden muss.

Spezielle Objektive

Einige Objektive funktionieren nur richtig, wenn man sie mit einer Crop-Kamera verwendet. Ein gutes Beispiel hierfür ist das 35mm DX Objektiv von Nikon.
Man sollte sich also vor dem Kamerakauf genau überlegen was man später fotografieren möchte, denn einige günstige Objektive für Crop-Kameras werden nicht auf einer Vollformat Kamera funktionieren.
Das ist so, weil die Objektive weniger Licht durchlassen.
Es muss weniger Licht auf den Sensor treffen, weil er kleiner ist. Deswegen braucht man kleineres und weniger aufwändig verarbeitetes Glas im Objektiv.
Clevere Fotografen, welche sich für das APS-C System entscheiden kaufen deswegen nur Objektive, welche auch auf Vollformat passen um für einen Eventuellen Wechsel nicht direkt den kompletten Objektiv-Park ersetzen zu müssen.

Vorteile Vollformat

  • Holen das Maximum aus Weitwinkel-Objektiven heraus
  • Man kann als Fotograf näher an das Motiv heran gehen um so ein noch extremeres Bokeh (verwaschener Hintergrund) zu erhalten.
  • Der größere Sensor erlaubt meistens eine höhere ISO Einstellung und dadurch weniger Rauschen im Bild. Außerdem ist das Bild alleine durch seine Größe Rauschärmer.
  • Besser für Landschaftsfotografie geeignet. Wird überwiegend in der Street-, Kunst-, Architektur-, Interior-, Reportage- und Produktfotografie eingesetzt.

Nachteile Vollformat

  • Hohe Anschaffungskosten
  • Schwieriger den Bildschirm mit Motiven zu füllen, welche weit entfern sind. Beispielsweise Vögel.

Vorteile APS-C Kamera

  • Günstiger Preis
  • Weniger der kleineren Sensorgröße sind die Objektive günstiger
  • Objektive verfügen über einen größeren Teephoto-Effekt
  • Großartig für Sport-, Tier- und Makrofotografie geeignet.

Nachteile APS-C Kamera

  • Weitwinkel Objektive verlieren an Weitwinkel
  • Hintergründe können leichter zu erkennen sein, was zu einer Ablenkung vom eigentlichen Motiv führen kann
  • Ein kleinerer Sensor weist meistens mehr Rauschen sowie weniger weniger feine Details auf.
  • Falls man auf Vollformat umsteigen möchte, muss man eventuell den Objektiv-Park austauschen

Du siehst nun anhand der Listen oben genau wo der Unterschied liegt und ob du dich für Vollformat oder Crop entscheiden solltest.
Ich hoffe dieser Artikel hat die gefallen. Falls das der Fall ist, verlinke diesen Artikel gerne auf deiner Website oder teile ihn bei Facebook.