Autofokus verstehen und scharfe Bilder machen

Autofokus verstehen und scharfe Bilder machen

Wunderst Du dich manchmal über die vielen Einstellungsmöglichkeiten deiner Kamera und fragst dich wieso deine Fotos unscharf sind? Ich kenne das Problem genau und möchte dir mit diesem Artikel helfen das Problem in den Griff zu bekommen.

Was Du hier lernst:

  • Fokusmodi deiner Kamera verstehen
  • Den richtigen Fokusmodus verwenden
  • 7 Tipps für scharfe Bilder

Fokussierung Arten

Grundsätzlich gibt es zwei Arten wie deine Kamera den Fokus trackt. Beide sind für unterschiedliche Bereiche der Fotografie geeignet und führen zu scharfen Bildern, wenn man sie entsprechend der Situationen in denen man fotografiert verwendet.

Einzelfokus (AF-S)

Mein meistbenutzter Fokusmodus. Hier misst deine Kamera auf einen einzigen Punkt, berechnet die Entfernung und stellt diesen Punkt scharf. Je nach Kamera und Objektiv funktioniert das mehr oder weniger gut. Alle aktuellen DSLR Kameras beherrschen den Einzelfokus jedoch sehr gut und die Chance auf scharfe Fotos steigt.

Kontinuierlicher Autofokus (AF-C)

Der kontinuierliche Autofokus funktioniert ähnlich. Die Kamera misst die Entfernung ebenfalls anhand des Fokuspunktes, jedoch bleibt der fokussierte Punkt getrackt. Bewegt sich das Subjekt, dann geht der fokussierte Punkt mit. Das kann sehr von Vorteil sein, wenn man etwas fotografieren möchte, dass sich bewegt und man den richtigen Moment abwartet.

Diesen Modus habe ich meistens eingestellt, wenn ich eine Hochzeit fotografiere und das Brautpaar aus der Kirche auszieht. So kann ich entspannt rückwärts laufen und mich ein wenig mehr auf die Komposition sowie den Bildwinkel konzentrieren.

Fokusfelder

Der nächste wichtige Punkt im Bereich der Autofokus Einstellungen sind die Fokusfelder. Eben habe ich mich auf die Fokus Arten konzntriert, welche bestimmen wie sich der Fokus verhält, wenn man ihn scharf stellt.

Die Fokusfelder habe ich jedoch außer Acht gelassen. In diesem Abschnitt geht es darum wie die Kamera dir helfen kann den gewünschten Bereich scharf zu stellen, indem sie selbst errechnet, was bestenfalls scharf sein sollte. Bei neuen Kameras und besonders im höherpreisigen Segment, sind diese Hilfsmittel für Fotografen extrem ausgereift und funktionieren besonders gut. Bei günstigen Kameras sollte man sich nicht unbedingt darauf verlassen.

Einzelfeldsteuerung

Die Einzelfeldsteuerung ist der Modus, den ich selbst immer in Kombination mit dem Einzelfokus verwende. Dadurch kann ich den Fokuspunkt mithilfe der Steuerelemente auf der Rückseite meiner Kamera an die gewünschte Position bringen und abdrücken. 

Die Kamera wird dort scharf stellen und ich kann mich auf den Bildausschnitt konzentrieren. Man hat also sehr viel Kontrolle mit dieser Einstellung.

Doch Achtung, denn je günstiger die Kamera, desto weniger Punkte stellt sie einem meistens zur Verfügung.

Dynamische Messfeldsteuerung

In diesem Modus legt man selbst den Fokuspunkt fest. Die Kamera merkt sich diesen Punkt und sollte sich das Subjekt unvorhergesehen bewegen, so errechnet die Kamera anhand weiterer nahestehender Fokuspunkte die voraussichtliche Position und stellt erneut scharf. 

Das funktioniert tatsächlich sehr gut, wenn man in Kombination mit dem AF-C Modus arbeitet. Hier gibt es dazu von Nikon weitere Informationen.

3D Tracking – Automatische Messfeldsteuerung

Das 3D Tracking funktioniert besonders gut bei sehr hochwertigen Kameras wie der Nikon D5 oder Sony Alpha a9. Man fokussiert ein Subjekt und selbst wenn es sich schnell bewegt, folgt der Autofokus treffsicher. Ich selbst verwende diesen Modus aufgrund meiner Spezialisierung sehr selten und habe damit jedoch gute Erfahrungen machen können. Mehr zu diesen Thema und ein Beispiel findet man bei Stefan Grönveld.

Messfeldgruppensteuerung

Die Messfeldgruppensteuerung kann sowohl mit dem AF-S sowie dem AF-C Modus kombiniert werden. Dabei werden mehrere Messfelder als Gruppe verbunden und reagieren dabei wie ein großes Feld, welches das Subjekt scharf stellt. Damit kann man leichter den Fokus treffen, aber auch genau so gut daneben liegen. 

Man stellt dennoch einen Hauptfokus Punkt fest und die restlichen Messfelder in der Gruppe geben der Kamera weitere Informationen und die Genauigkeit des Fokus zu verbessern. Je nach Kamera funktioniert das gut oder schlecht. Meine Empfehlung dabei ist, seine Kamera genügend auszuprobieren und somit herauszufinden ob dieser Modus für einen taugt.

Fokusspeicher

Der Fokusspeicher kann sehr hilfreich sein. Sicherlich kennst Du das, wenn Du Fotografen siehst, die beim Fotografieren häufig ihre Kamera leicht nach oben, unten, links oder rechts ziehen und dann wieder zur Mitte.

Entweder sind diese Fotografen doof und fragen sich wieso das Bild immer unscharf wird, oder sie haben den Fokusspeicher aktiviert.

Der Fokusspeicher sorgt nämlich dafür, dass man den Fokuspunkt festlegen kann und dieser danach gespeichert wird. Fokussiert man also und schwenkt dann seine Kamera und den Bildausschnitt zu perfektionieren, dann bleibt der, dank des Fokusspeichers, Fokussierte Punkt scharf.

Sofern man den Fokusspeicher jedoch nicht aktiviert hat, wird das Bild garantiert unscharf.

7 Tipps und scharfe Bilder zu machen

Da Du nun weißt welche Einstellungen in deiner Kamera vorhanden sind und wie funktionieren, heißt es auszuprobieren, denn jeder fotografiert anders. Die Workflows unterscheiden sich so sehr, wie die einzelnen Stile von Fotografen. Deswegen kommst Du am üben nicht vorbei.

Dennoch möchte ich dir noch ein paar grundlegende Tipps mit an die Hand geben, mit denen Du scharfe Bilder aufnehmen kannst.

Einzelfokus und Selektive Einzelfeldsteuerung verwenden

So fotografiere ich, da ich mich auf Portraits und Reportagen spezialisiert habe. Ich kann mir Zeit lassen und auf Nummer Sicher gehen. Den Fokuspunkt bewege ich dorthin, wo das Bild scharf sein soll. Fertig. Scharfes Bild im Kasten.

Sollte ich mal bewegte Subjekte fotografieren, dann nehme ich meistens AF-C und und die 9 Punkte-Gruppe. Das Reicht bei mir vollkommen aus.

Verschlusszeit auf 1/125

Weiterhin ist wichtig, dass man die Verschlusszeit gering hält. Für Menschen die sich nicht bewegen, habe ich maximal 1/125 Sekunden Verschlusszeit eingestellt. Bei Subjekten die in Bewegung sind 1/250 oder gar 1/500. Spätestens dann ist alles scharf, was scharf sein soll.

Bildstabilisator verwenden

Wenn deine Kamera über einen stabilisierten Sensor verfügt oder deine Objektive das erlauben, dann kannst Du eventuell auch mit 1/60 fotografieren. Mit meiner Pentax k-1 geht das. Trotzdem verwende ich es nicht, da ich meistens genug Licht habe, oder einfach meinen Blitz heraushole. Damit friert man Bewegungen sehr gut ein und kann selbst bei 1/30 scharfe Bilder machen.

focus peaking verwenden

Sollte deine Kamera über das Feature focus peaking verfügen und Du möchtest ganz genau arbeiten, dann kannst Du auch bedenkenlos manuell fotografieren. Im Bildschirm wird nämlich alles durch Konturen angezeigt, was scharf sein wird. Allerdings benötigst Du dafür auch etwas mehr Zeit als mit deinem Autofokus.

Blende schließen

Solltest Du alle Tipps oben beachten und trotzdem nicht an ein scharfes Foto gelangen, dann hast Du wahrscheinlich einfach deine Blende zu weit offen. Mach sie bestenfalls zu.

Auch, wenn ich mit f/1.4 fotografieren könnte, mache ich es selten. Meistens verwende ich eher f/2.8 oder im Studio und mit genug Licht auch gerne mal f/8. Man muss nicht immer das krasseste Bokeh haben. Besonders, wenn das Bild dann nicht scharf ist oder der Fokus an der falschen Stelle liegt.

Stativ verwenden

Wenn Du mal deine Blende schließt und plötzlich merkst, dass Du zu wenig Licht hast (Weil deine Kamera vielleicht nicht die Beste ist und ab ISO 800 alles rauscht), dann kannst Du zu einem Kamerastativ greifen. Besonders bei Landschaften, Stilleben oder Architektur sollte man immer ein Vernünftiges Stativ am Start haben.

Fotos nachschärfen

Gut, deine Fotos sind nun wahrscheinlich scharf. Doch da geht noch mehr. Besonders, wenn ein Fotos in deiner Reihe besonders gut gelungen ist, aber dann doch einen Tick zu falsch fokussiert wurde, dann hilft dir das Nachschärfen in Lightroom. 

Nützlich ist das kleine Fenster über dem Regler zum Nachschärfen. Hier ist nämlich ein 100 % ausschnitt deines Fotos. Drehe die Details auf das Minimum und dann den Regler so weit hoch, dass Du im 100 % Ausschnitt kein unschönes Ergebnis hat. Dann sind deine Fotos perfekt nachgeschärft. Mehr geht nicht.

Fazit

Ich hoffe Du verstehst nun deinen Autofokus besser und solltest Du noch immer nicht an scharfe Bilder kommen, dann wirf deine Kamera und die Objektive weg und kauf dir neue Ausrüstung.

Wenn Du nämlich alles was oben steht beachtet hast, dann hast Du scharfe Fotos. Mehr geht nur, mit teuerer Ausrüstung. Das sollte jedoch immer der letzte Punkt sein, den man in Betracht zieht umzusetzen. Denn gute Fotos macht nicht immer nur die Kamera. Wichtig ist, wer sie bedient.

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