Ich weiß, dass es zu diesem Thema schon oft genug angesprochen wurde. In der Schule, in Büchern, online, auf Workshops und im Videokurs. Dennoch habe ich bisher keinen Artikel finden können der auf alle Wichtigen Punkte eingeht. Eventuell werden sie auch nur ignoriert. Nachdem ich jedoch vermehrt Portraits sehe, welche einfach mit einem unvorteilhaften Objektiv aufgenommen wurden, habe ich mich dazu entschlossen mit diesem Artikel zu helfen. Du wirst hier sogar Beispielsbilder sehen um hinterher eine genau Vorstellung davon zu haben, welche die beste Festbrennweite für Portraits ist.

Zuerst möchte ich die Vorstellung von „richtig“ und „falsch“ klar stellen. Was für old-school Studiofotografen aus den 90er Jahren „richtig“ war, muss heute nicht unbedingt für alle Fotografen aktuell sein. Sagen wir, es bleibt lediglich ein Richtwert.

Lasse deine Kreativität niemals durch die eingefahrene Meinung anderer Fotografen einschränken.

Dennoch sollte man verstehen wie unterschiedliche Festbrennweiten den Bildeffekt verändern, beziehungsweise bestimmen. So lässt ein Weitwinkel Objektiv mit beispielweise 24mm ein Gesicht schlanker, und länger wirken. Ein Teleobjektiv mit 200mm hingegen, lässt ein Gesicht sehr flach wirken.

Es gibt jedoch auch hier kein „richtig“ oder „falsch“, denn ich finde, dass für jede Art von Porträt auch eine bestimmte Festbrennweite ihre Berechtigung hat. So gilt es erstmal herauszufinden, was für eine Art Porträt man hauptsächlich aufnehmen möchte. Konkrete Beispiele dazu folgen weiter unten im Artikel.

Um extrem verformte Gesichter und Körperteile auf Portraits zu vermeiden muss man wissen wie sich eine Festbrennweite auf unterschiedlichen Formaten verhält. Erst danach kann man die für sich beste Festbrennweite erkennen.
Der Unterschied zwischen APS-C und Vollformat speilt beispielsweise eine große Rolle bei der Auswahl einer Festbrennweite, denn 50mm auf Vollformat sind nicht 50mm auf APS-C. Ich habe deshalb am Ende dieses Artikels eine Tabelle mit der Umrechnung von Festbrennweiten für dich erstellt, die dir dabei helfen wird festzustellen welche Brennweite die beste für dich ist. Außerdem ist hier ein sehr hilfreicher Link mit Simulation direkt von Nikon: http://imaging.nikon.com/lineup/lens/simulator/

Mit dem Simulator von Nikon sollte bereits deutlich werden wie sich die verschiedenen Brennweiten mit den unterschiedlichen Sensoren auf den Bildeffekt auswirken.

Welche Festbrennweite sollte man haben?

Wer bessere Portraits aufnehmen möchte, sollte auf eine Festbrennweite umsteigen und die Comfort-Zone von Zoom-Objektiven verlassen. Der Vorteil von mehr Lichtstärke und einem flauschigerem Bokeh spricht für sich. Außerdem fällt es so einfacher zu lernen und sich auf einen Stil festzulegen, oder sich überhaupt einen anzueignen.
Welche Festbrennweite auch immer die beste für dich ist, wird du nach diesem Artikel herausgefunden haben. Vorher zeige ich dir jedoch erstmal die verschiedenen Festbrennweiten und Beispielbilder.

#1 – 24mm Weitwinkel

Besonders geeignet für: Gruppenportraits, Portraits mit viel Landschaft im Hintergrund.
Vorteile: Man kann besonders nah an ein Modell herantreten und ein flauschiges Bokeh im Hintergrund haben.
Nachteile: An den Bildrändern je nach Qualität des Objektivs oft leichte Verzerrungen möglich.

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#2 – 35mm Festbrennweite

Besonders geeignet für: Portraits im Reportage Stil und Portraits im Film-Look
Vorteile: Man kann und muss nah ran gehen. Außerdem eignet es sich nicht nur wunderbar für Portraits, sondern auch perfekt für Fotojournalistische Reportagen.
Nachteile: Modelle die zu weit entfernt sind, können eventuell ein unscharfes Gesicht bekommen. Es eignet sich eher für eine Distanz zum Model bis maximal 3 Meter.

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#3 – 50mm (normale) Festbrennweite

Besonders geeignet für: Ganzkörper Portrais. Oberkörper Portraits.
Vorteile: Gut und günstig. Es hat so ziemlich von jedem Kamerahersteller als 50mm f/1:1.8 das beste Preisleistungsverhältnis und ist deswegen die erste erste Wahl für den schmalen Geldbeutel und Fotografie-Anfänger.
Nachteile: Ein Klassiker, der schnell ausgelutscht ist. Zwar sollte es immer im Fotorucksack sein, doch wird der Stil der 50mm schnell langweilig und man sehnt sich nach Abwechslung.

50mm-festbrennweite-fuer-portrait

#4 – 85mm als kleines Telephoto

Besonders geeignet für: Portraits mit etwas Abstand, wie Bewerbungsfotos und Headshots.
Vorteile: Ein Butterweiches Bokeh mit Blende f/1:1.4. Wer Abstand zu seinem Model braucht, ist damit richtig bedient.
Nachteil: Man braucht tatsächlich Abstand zu seinem Model. Also muss man lauter reden und kann oft schlecht in geschlossenen Räumen fotografieren. Es ist sozusagen zweckgebunden.

85mm-festbrennweite-fuer-portrait

#5 – ab 105mm aufwärts

Besonders geeignet für: Headshots! Wenn man einfach nur ein Headshot aufnehmen und ein Butterweiches Bokeh haben möchte, greift man zu einem 200mm f/1:2.0.
Vorteile: Großartige Bildwirkung. Auch zum Freistellen von Bildern sehr gut geeignet, da der Hintergrund extrem unscharf werden kann. Weiterhin sind es sehr scharfe Objektive für Detailverliebte.
Nachteile: Teuer. Zumindest, wenn man ein Teephoto mit vernünftiger Lichtstärke haben möchte. Außerdem ebenfalls eher zweckgebunden, da weit entfernt stehen muss um etwas aufs Bild zu bekommen.

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Welche Festbrennweite für Portraits – Welche eignen sich nun am besten?

Wie du an den Beispielen oben siehst, hat jedes Objektiv vor und Nachteile sowie eine andere Bildwirkung. Hast du hausgefunden was dir am besten gefällt?

Wenn du nicht so der Typ Fotograf bist, der Nähe sucht solltest du die Finger von einem 24mm Objektiv lassen. Dann hast du allerdings auch nicht viel vom Hintergrund auf deinem Bild. Ein gutes Mittelding ist das 50mm Objektiv. Es nimmt das auf was du mit deinem normalen Blickfeld siehst. Es ist sozusagen das „echte“ Objektiv (Auf Vollformat). Mit einem Crop-Sensor passt das 35mm besser. Falls du jedoch eher auf Headshots und Beauty-Aufnahmen stehst, solltest du zu einem Objektiv ab 105mm greifen.

Richtwerte – Festbrennweiten für Portraits

SensorgrößeFilm-PortraitGanzkörperOberkörperHeadshot
APS-C24mm35mm50mm85-135mm
Vollformat24-35mm50mm85mm105-200mm

Festbrennweite Empfehlung für Portraits

Dieser Artikel ist eindeutig für Anfänger geschrieben. Deswegen rate ich zu einem 50mm Objektiv. Egal ob für Sony, Nikon, Canon oder Pentax. Das ist für jeden Anfänger die erste Wahl.
Wenn das dann zu langweilig wird, weiß man im Grunde schon, in welche Richtung man weitergehen möchte. Möchte man mehr vom Hintergrund und Landschaft drauf haben, oder in Räumen fotografieren greift man entweder zu einem 24mm f/1:1.4 von Sigma oder einem 35mm f/1:1.4 von Sigma.
Sofern man jedoch lieber Emotionen und Charaktere fotografieren möchte empfehlen ich ein 85mm f/1:1.4 von Sigma oder ein 105mm f/1:1.4 von Nikon oder ein 100mm f/2.0 von Canon.
Alles darüber empfehle ich nur in Ausnahmesituationen, sofern man auf Sportfotografie oder Vogelfotografie steht. Wobei ein 135mm eventuell auch schick sein kann. Das ist dann jedoch Auftragslagen oder Vorlieben bedingt.

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